One Night in Vegas

Kaum ein Reisender der Nevada besucht, lässt das lasterhafte Las Vegas links liegen. Zu groß ist die Versuchung alles auf eine Karte zu setzten und am Ende das große Los im Spiel des Lebens zu ziehen. Auch wir gönnten uns eine Pause vom #vanlife und buchten uns in eines der schicken Hotels ein, um das Glück herauszufordern und am Ende alles auf eine Karte zu setzen.

Es funkelt, glitzert und spukt Konfetti

Auf dem sogenannten Strip erwartete uns an unserem ersten Abend genau das was wir erwartet hatten. Menschen, Lichter, Musik und jede Menge Speziell-Effekts. Unsere Orientierung ging bereits nach ein paar Minuten flöten, da weder die Navigationsapps auf dem Smartphone, noch die Beschilderung der Straßen genau genug sind um zum Beispiel ein bestimmtes Restaurant zu finden. Also ließen wir uns einfach mit den Massen treiben und schauten hier und da mal rein ohne wirklich genau zu wissen wo wir gerade sind. Am Ende verschlug es uns nach Paris. Wir schlenderten kleine Gassen entlang, aßen französische Crêpes und hörten Chansons längst vergangener Zeiten – und das alles in den klimatisierten Hallen der Hotelanlage mit dem Namen Paris. Man kann es gar nicht genau beschreiben, sondern muss es gesehen haben, um es sich vorstellen zu können. Die Hotelanlagen haben in Las Vegas die Größen von riesigen Einkaufszentren und sind täuschendechte nachbauten von unterschiedlichen Städten. So findet man sich in den Kulissen von Rom, Paris, New York, Venedig oder Ägypten wieder, kann im Märchenschloss Exkalibur schlafen oder von seiner Suite aus einem beinah echten Vulkanausbruch zuschauen. Zu den berühmtesten Attraktionen in Las Vegas zählt aber mit großem Abstand die Fontänen-Show vor dem Hotel Belagio. Straßenkünstler, kostümierte Schausteller und Promo-Girls säumen die Straßen von Las Vegas, um sich die wenigen Dollar der Touristen zu sichern, die diese noch nicht in den Casinos verzockt haben. Aber auch ebenso viele Obdachlose, Drogensüchtige und Kriminelle wollen am Tourismus verdienen und sind Teil des Straßenbildes von Las Vegas. Die Casinos bieten Shows, Freigetränken und aller Art andere Attraktionen. Sie funkeln, glitzern und spuken Konfetti, um die Menschen an die Spieltische zu kriegen und ihnen alles zu nehmen, was sie besitzen. Auch ich saß schneller am Black-Jack-Tisch als mir lieb war und obwohl am Anfang die Zeichen auf Sieg standen, wendete sich schnell mein Blatt.

Alles auf Schwarz

Ich verlor die ersten 50 Dollar an die Bank ohne es zu merken. Als ein Platz an einem der vielen Black Jack Tische frei wurde, luden mich die schon angeheiterten und mit viel Leidenschaft spielenden Spieler ein mit einzusteigen. Die aus Russland, meiner alten Heimat stammende Katja, die auf seiten der Bank die Karten verteilte, sollte mir Glück bringen, wurde aber nach drei Runden aufgrund des Schichtwechsels durch einen Kollegen ersetzt. Ich hatte mein Geld verdoppelt, mich aber so sehr mit den Tischnachbarn verquatsch, dass ich ohne auf die Einsätze zu achten schnell pleite war – und Tschüss. Nachdem auch die einarmigen Banditen nicht den Jackpot an uns ausschütten wollten, gingen wir zum Roulett-Tisch in unserem Hotelcasino und wollten unser Glück ein letztes Mal herausfordern – alles auf Schwarz. Während die kleine weiße Kugel um das Drehrad des Roulettetisches tanzte und die letzten eifrig ihre Chips auf verschiedenen Zahlenkombinationen positionierten schauten wir lieber weg um die nervenzerreisende Spannung zu ertragen. Plötzlich wurde es um den Roulettetisch still, nachdem der Cachier das Berühmte „rien ne va plus“ gesprochen und somit alle Einsätze für diese Runde beendet hatte. Die Kugel machte ein paar letzte Sprünge und landete auf Schwarz – gewonnen! Kaum zu glauben, wir hatten in Sekunden unseren 50-Dollar-Einsatz verdoppelt. Der Cachier schaute uns an und wollte sich erkundigen, ob wir das Geld behalten oder weiterspiele wollten.

Doppelt oder Nichts

Wenn man nur lange genug spielt, gewinnt am Ende immer die Bank. Zumindest heißt es so in zahlreichen Las-Vegas-Ratgebern, die Strategien zum vermeintlichen Spielerglück liefern. Nur wer alles auf eine Karte setzt, gewinnt und sofort aufhört hat die größte Chance darauf wirklich am Ende mit prall gefüllten Taschen auf seinem Hotelzimmer zu landen. Aber wer macht das schon? Die meisten hören nicht auf wenn Sie gewonnen haben. Denn allein die Vorstellung man könnte noch mehr gewinnen lässt jede Vernunft in Sekunden verblassen. Die Gier nach mehr beißt  sich sekundenschnell im eigenen Kopf fest und führt früher oder später zu Kopfschmerzen, so wie das billige Parfüm der Promo-Girls. Und so landete auch unsere Kugel beim zweiten Mal auf Rot – verloren. Der Cachier sackte unsere Chips ein und wir entfernen uns so schnell wie möglich vom Tisch bevor wir noch unser komplettes Reisebudget verschleuderten. Statt noch mehr Geld zu setzen schlenderten wir durch die vielen Hotels und gaben uns den Illusionen der Stadt hin. Am Ende hatten wir nicht den Jackpot geknackt aber auch nicht wahnsinnig viel verloren.  In Las Vegas kann man super essen, super feiern und es gibt eine große Auswahl an kostenlosen Attraktionen, die man genießen kann, ohne einen einzigen Cent auszugeben. Wir waren überrascht darüber wie sehr es uns gefallen hat und blieben sogar eine Nacht länger als geplant. Obwohl wir uns jeden Abend die Füße wund liefen, schafften wir es nur einen kleinen Teil der Glitzerstadt zu erkunden, bevor das Wochenende die Zimmerpreise dermaßen in die Höhe trieb, dass wir unser schönes Zimmer aufgeben und wieder in den Mini-Van ziehen mussten. Obwohl es bereits in Las Vegas unerträglich heiß war, war dies nicht zu vergleichen mit der Hitze die uns in den kommenden Tagen im Death Valley erwarten würde – wo wir nicht im klimatisierten Hotelzimmer sondern im Auto eine schweißtreibende Nacht vor uns hatten.

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