Labuhan Pandan: Inselkönige auf Zeit

Harry vom Siola organisierte einen Schnorcheltrip zu den Inseln vor Labuhan Pandan. Sein Cousin sollte für uns kochen und uns einige Schnorchel-Spots zeigen. Ein ortsansässiger Fischer übernahm den Transport. Vier kleine Inseln und wundervolle Korallenriffe lagen vor uns und wollten den ganzen Tag über erkundet werden. Nachdem Harrys Cousin Danny das Mittagessen an Bord verstaut hatte, schaute er uns an und frage: „So what we gonna do first?“ Etwas irritiert schauten wir uns an und dachten beide dasselbe – na das musst du uns doch eigentlich sagen, oder?

Danny machte einen zurückhaltenden Vorschlag: „Maybe gonna snorkling first?“ Wieder schauten wir uns an. „Okay.“ Der Motor des Fischerboots tuckerte los und wir fuhren Richtung einer der größeren vier Inseln. Als wir anhielten, sagte Danny nur: „Jump in.“ Sofort musste ich zu Angélique rüber schauen, weil ich weiß, dass sie das offene Meer sehr gruselig findet und sich beim Schnorcheln manchmal so fest an mich krallt, dass sie mir fast die Haut vom Knochen zieht, sobald wir uns der Riffkante nähern und das Wasser dunkler wird. Ich sprang also rein und stellte fest, dass die Wassertiefe so bei sieben bis zehn Metern lag. Sobald Angélique auch im Wasser war und das realisiert, babbte sie wie ein Heftpflaster an mir dran. Ziemlich schnell gewöhnte sie sich aber an die Situation und wir begaben uns auf die Suche nach Nemo. Danny erzählte uns auf dem Weg, dass sich die vielen kleinen Fische überall in den Korallen verstecken und immer mal wieder rausgucken, wenn man ganz artig und still auf der Wasseroberfläche verharrt. Also durchforsteten wir die Korallen, bis wir tatsächlich einige entdecken konnten.

Ein Schnorcheltrip mit viel Zeit und ohne Zeitplan

In unserem Leben haben wir noch nie so schöne Korallenriffe gesehen. Wir waren ja schon viel auf den Gili Inseln schnorcheln und auch an anderen Orten wie zum Beispiel in Thailand. Aber die Korallenriffe vor LabuhanPandan haben bisher alles andere übertroffen. Korallen, Fische und andere  in allen Farben und Formen umkreisten uns. Als Danny ins Wasser hüpfte und uns eine mit Reis gefüllte Plastikflasche mit einem kleinen Loch an der Spitze übergab, waren wir für einige Minuten die beliebtesten Meeressäuger weit und breit. Nachdem wir uns wundgeschnorchelt hatten kamen wir an Bord und pausierten. „What`s next?“, fragte Danny irgendwann. Uns wurde langsam bewusst, dass wir entscheiden konnten wie der Tag weitergeht. Ein Trip an diesem Ort der Welt läuft nicht so ab, wie wir es bisher kannten. So weit weg vom Massentourismus gab es keine Zeitpläne und festgelegten Routen. Hier wurden einfach zwei locals gebucht, die mit uns den ganzen Tage lang das machten, worauf worauf wir Lust hatten.

Okay. Dann wären wir gern Herrscher einer einsamen kleinen Insel. Mit wunderbarem Sandstrand und kristallklarem Wasser. Geht das? „Okay, no problem“, sagte Danny und wenig später tänzelte ich vor Glück im sandigen Paradies herum.

Der Tag verging wie im Flug. Wir fuhren von Insel zu Insel, wann wir wollten. Schnorchelten wann wir wollten. Erkundeten die Inseln solange wir wollten. Oder lagen einfach im Sand und ließen uns die Sonne auf den Bauch scheinen. Und jetzt kommts – solange wir wollten. Wir merkten, wie unentspannt wir eigentlich immer noch waren. Selbst von einem durch uns bestellten und bezahlten Schnorcheltrip, erwarteten wir, dass uns jemand sagt wie lang wir wo zu bleiben und was wir dort zu tun haben.

Endlich weg vom portionierten Urlaubstourismus

Wir mussten bis in den entlegenen Osten einer indonesischen Insel fahren um den portionierten Urlaubstourismus hinter uns lassen zu können. Dort gab es keine vorgegebenen Frühstückszeiten, keine Öffnungszeiten, keine Zeitpläne und auch keine feste Speisekarte. Wenn wir Hunger hatten gingen wir einfach rüber zum Warung. War eine der Frauen der Familie morgens beim Markt, gab es frisches Obst zum Frühstück.  Je nachdem, ob mittags die Mama, die Tante oder eine der Cousinen da waren, kochte eine der Frauen ein leckeres Mittagessen für uns. Die Portionen fielen nach Lust und Laune mal größer und mal kleiner aus. Die eine kochte mit feurigen Gewürzen, die andere kredenzte wunderbar milde Gerichte. War Harrys Papa nachts Angeln und hatte frischen Fisch gebracht, gab es Fischcurry zum Abendessen. Wir standen auf wann wir wollten. Aßen wann wir wollten. Gingen am Strand spazieren oder buchten uns einen Trip nach irgendwo. Eines Morgens hatten wir Lust die Gegend zu erkunden. Ich ging rüber zu Danny. „Hey bro, you got a scooter for us?“ Zehn Minuten später kam Danny mit einem Roller um die Ecke, den er sich kurzfristig von einem Freund im Dorf geliehen hatte. Wir bekamen noch zwei Helme und waren abfahrbereit.

Aber wo geht’s eigentlich hin? Hmmm, denken wir uns – am besten einfach immer der Nase nach.

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