Die geheimen Gili-Inseln von Lombok: Gestrandet auf Gili Gede – Endlich angekommen

So packten wir also wieder unsere Sachen, verabschiedeten uns am nächsten Morgen frühzeitig vom Flower Paradise und gingen eine Bucht weiter Richtung Süden. Denn dort wartete schon ein ganz besonderes Fleckchen auf uns.

Auf unserem Spaziergang am Nachmittag zuvor entdeckten Kevin und Kristina nämlich eine kleine Perle. Ein neu errichtetes Doppelholzhaus, mit zwei geräumigen Zimmern im Erdgeschoss, jeweils mit Doppelbett und Freiluftbad und kleiner eigener Terrasse vor der Tür. Es stand frei auf einem größeren Stück Land, das außer der dazugehörigen kleinen Küche sonst noch unbebaut war. Zum Essen konnte man es sich an den urigen Tische und Bänke aus Massivholz (gezimmert aus Tamarindbäumen des Grundstücks) gemütlich machen. Es gab einfache indonesische Speisen und erfrischende Säfte zu super Preisen und extrem lecker. Sonnenliegen, Sitzsäcke und Hängematten am „hauseigenen“ Strand mit dem ruhigen, glasklaren und korallenbesetzten Meer davor war es der perfekte Ort zum Relaxen und wirkte wie für uns geschaffen. Und das Beste: Keine touristische Menschenseele weit und breit – außer der Unseren. Dieser Platz wirkte noch so unberührt und verschlafen, dass er uns alle sofort in seinen Bann zog. Er strahlte eine so friedliche und willkommene Atmosphäre auf uns aus, die uns schließlich bleiben ließ. Das nennt man wohl auch „Liebe auf den ersten Blick“. Die nächsten Tage verbrachten wir also mit Lesen, Sonnen, Schnorcheln, Essen, Kniffeln, Spazieren, Rumhängen. Die Tage vergingen wie im Flug.

Zu einer der größten Überraschungen dabei zählte aber Fandi, der freundliche Verwalter der gerade erst gebauten Unterkunft namens Tamarind (aufgrund der dort wachsenden Fruchtbäume)  seines Onkels. Fandi sprach hervorragend Englisch (er studiert Tourismus auf Java) und ist zudem noch der Vize-Gouverneur der Insel. Na sowas. Eigentlich wählten die Leute ihn wohl sogar zum Gouverneur der gesamten Insel aus, aber das Amt war ihm zu viel und er bot stattdessen an, dem jetzigen Gouverneur zur Seite zu stehen. Wir hatten einige nette Unterhaltungen mit ihm und wir konnten uns etwas kennenlernen. Wir erfuhren, dass er als Erster dazu beigetragen hatte, dass die Menschen auf der Insel ihr Wasser selbst filtern können, indem er eine Vorrichtung aus Sonnenkollektoren zur Destillation angeschafft hat. Zudem berichtete er uns, dass Gili Gede noch immer nicht an das Stromnetz von Lombok angeschlossen ist und die wenigsten Bewohner Generatoren besitzen. Während unseres Aufenthalts im Tamarind waren daher gerade auch noch zwei Studenten aus Jakarta und ein älterer Bootsmann dort, die in einem längerem Zeitraum das Wasser zwischen der Insel und dem Festland kontrollierten und testeten, damit anhand der Ergebnisse später entsprechende Berechnungen zur Erbauung von Stromleitungen gemacht werden können. Und wir waren live dabei, wie das verschlafene Nest langsam seinen Weg in die Zivilisation fand.

Unser persönliches Highlight während unseres abermals verlängerten Inselaufenthalts war der Marktbesuch auf dem Festland am frühen Morgen.

Die Märkte in den uns bisher bekannten asiatischen Ländern sind sich alle sehr ähnlich. Man stelle sich vor: Eine von Motorbikes, Fahrrädern und Autos stark frequentierte staubige Straße, die von ein paar Bretterbuden rechts und links gesäumt wird. Der Eingang zum Markt lässt sich zunächst kaum erkennen. Man geht aber einfach zwischen den Bretterbuden hindurch und schwupp, steht man plötzlich mittendrin. Zahlreiche Straßen und lange Tische mit allem, was es so zu kaufen gibt, reihen sich dicht an dicht. Von Gemüse, Früchten, Säcken voll Reis, frischen (teilweise noch lebendigen) Fischen, rohem Fleisch, Eiern und allerlei Getrocknetem, bis zu Kleidung, Schuhen, Kosmetika, Hygieneartikeln etc. Die Märkte sind wie große, offene, aber überdachte Supermärkte, die in verschiedene Rubriken aufgeteilt sind. Als Ausländer kann man sich hier leicht verlaufen und ist beim Vorbeilaufen auch schnell überfordert von den vielen Eindrücken und den teilweise sehr unangenehmen Gerüchen, die dort auf einen einprasseln. Vor allem das viele rohe Fleisch und der Fisch, welche dort ungekühlt und in allen vorhandenen organischen Einzelteilen unverarbeitet auf blanken Holztischen den ganzen Tag in der Hitze lagern, bringen jeden westlichen Touristen um den Appetit.

Trotzdem war es nochmal ein besonderes Erlebnis für uns mit Fandi dort zu sein und mit ihm einkaufen zu gehen. Natürlich fiel auch der ortsbekannte Fandi mit vier Touris im Schlepptau mehr auf dem Markt auf als sonst schon. Er zeigte und erklärte uns einige typisch indonesische Köstlichkeiten sowie Gemüse- und Obstsorten. Auf dem Rückweg zum Tamarind hielten wir mit dem Boot noch bei seinem Dorf an und durften uns einen frischen Fisch aus dem Fang seines Vaters für das abendliche BBQ aussuchen. Wir konnten unser Glück kaum fassen – was für ein Erlebnis. Vor allem, wenn man sich vorstellt, wie Fandis Vater noch vor Sonnenaufgang mit Taucherbrille und Gartenschlauch zum Sauerstofftanken sowie Taschenlampe in der Einen, die Hapune in der anderen Hand, auf den Grund des Meeresbodens sinkt und mit den bloßen Händen riesige knallrote Fische erlegt. Wow- da fühlt man sich doch gleich wie in Zeiten von Jägern und Sammlern zurückversetzt.

Der Fisch wurde später noch mit einer superleckeren und pikanten Marinade überzogen.

Wir genossen die Tage im Tamarind, unserer ganz persönlichen Oase, sehr und taten nicht viel außer Sonnen, Baden, Schnorcheln, Spazieren, Lesen und Entspannen. Es war gar nicht so leicht sich von diesem entspannten Ort loszureißen. Doch wir wollten auch endlich Bali erkunden und Kristina und Kevin hatten auch nur noch drei Tage um noch einen Abstecher in Lomboks Bergregion nach Tetebatu zu machen bevor ihr Flug nach Australien startete. Also trennten sich unsere Wege hier nach fast zehn gemeinsam verbrachten Tagen auf Südlombok und jeder folgte wieder seiner eigenen Route.

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