Beachboys auf Gili Air

Von Gili Meno nach Gili Air fahren zwei Mal am Tag sogenannte Speedboats. Wir konnte uns also entscheiden ob wir gleich um 9 Uhr das Boot nehmen und somit mehr Zeit auf Gili Air haben oder lieber noch etwas länger im mittlerweile lieb gewonnenen aber immer noch wasserlosem Love Shack Shangri-la verbringen. Wir erfuhren von Sri, dass ihre Schicht im Restaurant um 13 Uhr beginnt und sie gegen 11 gerne das Zimmer sauber machen würde. Es kämen aber keine neuen Gäste, deshalb könnten wir uns gern so lange wir wollen auf der Terrasse aufhalten.

Wir entschlossen uns also erst das Nachmittagsboot zu nehmen und waren von daher sehr erstaunt, als wir gegen 12 Uhr Gerome und seinen Bruder auf der Terrasse antrafen. Die beiden Franzosen hatten die Unterkunft für zwei Nächte gebucht und waren demnach auch etwas verwirrt, warum zwei Deutsche sich auf ihrer Terrasse herumtrieben. Nachdem wir sie davon überzeugen konnten, dass wir nicht zum Personal gehören, klärten wir sie über die Gesamtsituation auf, zeigten Ihnen noch den Aufenthaltsort von Sri und zogen in das von uns geliebte Ryans Café um. Wir beschlossen dort so lange am Strand zu chillen und im Meer zu baden, bis die Fähre abfahrtbereit war. Was sich durchaus gelohnt hat, denn so konnten wir uns auch vom singenden Barmann verabschieden und ein letztes Ständchen auf Video aufnehmen.

Auf Gili Air umrundeten wir wie immer gekonnt die Transportmafia und wurden von einem Rudel junger möchtegern O.G.s vor den Toren der Gili Bungalows in Empfang genommen. Viele der Unterkünfte auf den Inseln bestehen aus einer Bungalowanlage mit dazugehörendem Strandrestaurant und werden von Familien betrieben (oder zumindest verwaltet). Dabei ist die Arbeitsverteilung immer ähnlich. Die jüngeren Söhne sind die Kellner (holen neue Gäste ran und nehmen die Bestellung auf). Die Mütter und Großmütter stehen in der Küche. Die Töchter übernehmen das Housekeeping. Die älteren Söhne und Väter bieten meistens Touren an, verleihen Fahrräder oder Schnorchel-Equipment. Einige sind auch als Tagelöhner auf den Baustellen beschäftigt oder zählen zu den Angestellten der Transportmafia.

Unsere Unterkunft befand sich im Westen und wir konnten sie recht schnell nach dem obligatorischen  welcomedrink beziehen. Die Gili Lumbung Unterkunft war zu dem Preis echt top. Auch der Baulärm von der Anlage nebenan war erträglich. Zumindest erträglicher, als das Gehabe der supercoolen „Beachboys“, von denen sich die meisten gerade noch in der Pubertät befanden. Am Abend des Ankunftstages waren wir gemütlich in der Zip Bar essen. Dort gab es die wahrscheinlich beste Pizza Indonesiens und die Tische standen so nah am Meer, dass bei Flut fasst die Brandung zwischen den Zehen zu spüren war.

Wir mieteten uns am nächsten Morgen gleich zwei Fahrräder und umrundeten die Insel. Dies stellte sich nicht als die beste Idee heraus, denn zum größten Teil bestehen die Küstenstraßen im Norden und Nordwesten aus Sand. Nach dem ganzen Geschiebe waren wir etwas angeschlagen. Zu allem Überfluss war mein geliehenes Fahrrad auch noch so ein rostiger und sturer Drahtesel, dass weder Schaltung noch Bremsen funktionierten und sich nach ein paar hundert Metern die Kette verabschiedete. Nur mit Hilfe eines zufällig vorbeifahrenden Einheimischen auf seiner mit Betonsäcken beladenen Pferdekutsche, gelang es mir diese wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Fast war der Tag gelaufen, aber beim Schnorcheln fanden wir dann eine Schildkröte. Ich kann gar nicht sagen woran das liegt, aber wenn man beim Schnorcheln eine Schildkröte findet, macht sich eine kindliche Freude in mir breit, die ich schon fast zu vergessen glaubte. Ich fühle mich dann wie ein fünfjähriger Junge der zum Geburtstag ein Fahrrad bekommt und sein Glück kaum fassen kann.

Die nächsten Tage verbrachten wir mit Schnorcheln, Lesen, Essen, Massagen und Sonnenuntergängen. Trotz der ganzen Erholung kriegten wir die Hektik aber immer noch nicht raus. Der Tag ist immer noch zu kurz und daher zu sehr durchgetaktet. Wir wissen, dass wir immer nur kurz an einem Ort sind. Wollen nichts verpassen und möglichst viel erleben. Am Ende fühlen wir uns aber immer noch getrieben. Der nächste Ort auf unserer Reise könnte das schon ändern. Wir haben davon erfahren, dass in Teresgenit auf Lombok zwei Schwaben sich ein kleines Paradies am Fuße des Rinjani-Vulkans geschaffen haben. Ein grünes Fleckchen Erde, an dem die Zeit für die Besucher stehen zu bleiben scheint. Nach so viel Touri-Insel-Feeling für uns also genau das Richtige.

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