Auf nach Amed – oder besser nicht?

Nach unserem mehr oder weniger erfolgreichen Ausflug zum Pura Besakih am Tag zuvor, starteten wir gleich darauf unsere letzte Rollertour auf Bali. Diesmal waren jeweils 45 Kilometer für hin und zurück geplant, denn wir wollten bis nach Amed, einem Fischer- und Badeort, an der Ostküste Balis fahren. Dort sollte es neben den vielen Fischerbötchen auch schwarzen Sand und einige gute Schnorchel-Spots geben. Wir machten uns nicht zum Schnorcheln auf den weiten Weg dorthin, sondern um die angepriesene Landschaft zu bestaunen. Der Tag sollte so einige Hürden für uns bereithalten. Bereits morgens nach dem Frühstück fing es an. Wir gingen zur Rezeption um den bereits am Vorabend vorbestellten Roller abzuholen. Erste Überraschung des Tages: Der Roller war  Jan zufolge eigentlich „Schrott“ und die Helme schlackerten uns nur so um die Ohren. Der gute Roller, den wir bereits gefahren und deswegen auch reserviert hatten, wurde anscheinend zehn Minuten zuvor an ein anderes Paar vergeben, weil der Nachtportier unsere Bestellung nicht weitergegeben hatte. Sehr ärgerlich. Vor allem da wir ausgerechnet heute die große Tour mit 90 Kilometern vor uns hatten. Aber da es unser letzter Tag für einen Ausflug war, mussten wir den Ärger schnell hinunterschlucken und es so annehmen wie es ist. Ganz wie die Buddhisten es zu tun pflegen.

Wir ratterten also auf unserem ollen Gefährt davon und hofften, dass es hielt und uns auch wieder heil zurückbringen würde. Mit einigen kleinen Popoausklopf-, Trink- und Fotopausen kamen wir auch endlich nach fast 2 Stunden in Amed an. Nach einem kurzen Strandspaziergang, kehrten wir in ein kleines einheimisches Lokal am Strand ein, da wir bereits einen riesen Hunger verspürten. Die nette Balinesin brachte uns hervorragendes Essen und sehr erfrischende Säfte. Leider machte eine Truppe Kinder, die ihre Armbändchen verkaufen wollten, gerade ihre Runde und trübte die Stimmung ein bisschen. Aber auch so wirkte die Gegend von Amed etwas ausgestorben auf uns. Wir fuhren ein Stück weiter den Strand entlang und machten an einer kleinen Bucht halt, welche augenscheinlich sehr beliebt zum Schnorcheln war. Denn es kamen sofort ein paar lokale Händler mit ihrer Schnorchelausrüstung auf uns zu und wir konnten einige chinesische Reisegrüppchen mit ihren Rettungswesten und Schnorchelmasken im Wasser ausmachen. Da wir weder Baden noch Schnorcheln wollten und der Strand von seiner Atmosphäre auch sonst nicht sonderlich anziehend auf uns wirkte, fuhren wir mal kurz ums Eck, einen Hang hoch. Von dort bot sich dann der sehr viel schönere Anblick auf die darunterliegende Bucht Lange konnten wir eh nicht mehr verweilen, denn der Rückweg würde mindestens zwei Stunden dauern.

Auf Abwegen in Amed

Mindestens ist an dieser Stelle das richtige Stichwort. Jan machte den reizvollen Vorschlag einen Teil der Strecke durch den Dschungel rund um die zwei Vulkane Gunung Seraya und Gunung Lempuyang zu nehmen. Etwas unsicher darüber, ob die Strecke durch den unbefestigten Wald eine so schlaue Idee war, stimmte ich trotzdem zu, da ich Rundwege eh mehr bevorzuge. Doch da der Tag ja mehr als nur eine Überraschung für uns bereithielt, kam somit auch schon Nummer zwei auf den Plan. Zunächst fuhren wir noch ganz gut auf der Straße an grünen Wiesen und hohen Bergkämmen vorbei. Wir passierten zwei kleine Dörfer und die Straßen wurden schon etwas unbefestigter. Die Leute schauten uns überaus erstaunt, überrascht, ja fast schon besorgt an. Manche schüttelten sogar den Kopf. Oh je, da erwartete uns anscheinend doch noch was. Und als die Straße immer schmaler, hubbeliger und vor allem steiler und steiler wurde, schwante uns Böses. Wir ruckelten bald nur noch so vorwärts und der Roller machte ziemlich beschwerdevolle Geräusche. Als es schließlich so steil wurde, dass wir noch im Schritttempo vorankamen, musste ich absteigen und ein paar Meter laufen. So ging das ein paar Mal bis die Strecke zum Glück wieder flacher wurde. Wie es der mit Baumstämmen beladene Laster, der zuvor an uns vorbeifuhr, den ganzen Weg hoch schaffte, war uns ein Rätsel. Wir hatten es aber lange noch nicht durch den Dschungel geschafft und bemerkten plötzlich auch noch, dass das Benzin im Tank knapp wurde. Das war dann wohl Nummer vier. Na super, ich sah uns schon im Halbdunkeln durch den Wald irren und bei den Einheimischen an die Häuser klopfen und nach Benzin betteln. Doch wir kamen schneller aus dem Wald als gedacht und bald kamen auch wieder befestigte Straßen und größere Ortschaften.

Orientierungslos

Nach einem Stopp an der Tankstelle, wo wir auch unseren eigenen Durst mit einer großen Flasche Wasser stillten, schafften wir unsere schmerzenden Popos also für die letzten Kilometer auf den harten Sattel. Doch da hatte wir noch nicht mit Überraschung fünf und sechs gerechnet. Nachdem unsere meist durchaus verlässliche Offline Map von maps.me, ebenfalls müde zu werden schien und uns zigmal in die falsche Richtung lotste, womit unsere Strecke ständig länger statt kürzer wurde, leuchtete natürlich auch noch das Warnsignal des iPhone-Akkus auf. Panik kam auf. Es wurde bereits dämmrig, der Akku zeigte 10 Prozent an und es waren immer noch knapp 20 Kilometer bis nach Sidemen. Zudem hatte auch ich diesmal keine Ahnung wo wir lang fahren mussten. Da wir auf dem Hinweg eine etwas andere Strecke gefahren waren, erkannte ich leider nichts aus der näheren Umgebung wieder. Nachdem wir noch ein paar Mal falsch abgebogen sind und uns immer mehr verfranzten, ging das Handy aus.  Ab da mussten wir uns auf die wenigen Schilder verlassen und Durchfragen, bis die eigene Orientierung wieder anschlug.  Irgendwann erkannte ich eine Straße vom Hinweg wieder und nachdem wir diese einfach so lange gerade aus weiterfuhren bis endlich an einer Abzweigung das erlösende Verkehrsschild mit Sidemen darauf am Straßenrand erschien, wussten wir der Weg war nicht mehr weit. Die restliche Strecke führte zum Glück auch durch mir bekannte Straßen und Dörfer und so fanden wir den Weg zu unserem Heim rechtzeitig zum Einbruch der Dunkelheit wieder.

Unsere Popos schmerzten sehr, aber wir waren heilfroh, dass alles nochmal gut gegangen ist, der Roller durchgehalten hatte und wir zu aller Freude morgen noch einen letzten Tag am Pool verbringen konnten bevor es mit dem Flieger über Surabaya auf Java zu unserer zweiten Station in Asien, in den Norden von Vietnam ging.

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