USA Roadtrip: Entlang der Küste von Oregon (Teil 2)

Voller Freude über das unerwartete Geschenk fuhren wir die Oregon-Küste entlang. Wir hielten am Heceta Head Lighthouse State Park und verweilten an dem zauberhaften Strand. Wir saßen auf den Steinen, die Füße in den warmen Sand gesteckt und genossen die Sonnenstrahlen auf unserer Haut. An diesem Punkt wurde uns einmal mehr bewusst, dass wir später gerne am Meer leben wollen. Es erfüllt uns mit purem Glück, wenn wir die Wellen hören, das Salz in der Luft schmecken und die Meeresbrise riechen können. Wir genossen diesen Moment und fuhren weiter zur Cape Perpetua Special Interest Area in der sich Attraktionen mit legendären Namen wie Thor’s Well (ein Geysir), Spouting Horn (ein Felsloch, das Wasserfontänen und Sirenengeheul verursacht) oder Devils Churn (ein tosender Wellenbrecher) befanden. Wir aßen unsere Avocado-Tomaten-Brote am Strand der kleinen Provinzstadt Yachats und hielten für einen Foto-Stop am Elephant Rock. Unser Weg führte uns nach Newport, welches mit knapp 10.000 Einwohnern nach Coos Bay die zweitgrößte Stadt an der Oregon-Küste bildet. Newport erinnert  mit den Wandgemälden in den Seitenstraßen  und den Seelöwen am Pier an San Francisco. Oder würde es zumindest gern, den die Murals sind allenfalls gruselig, am Pier tristet nur ein einziger alter Seebär sein einsames Dasein und den Charme von San Francisco findet man höchstens auf den Postkarten, die in den abgewetzten Souvenirläden verkauft werden.

Wale und Pelikane

Wie erwartet gab es in der unmittelbaren Umgebung von Newport keinen günstigen Campground, sodass wir kurz vor Kernville den Siletz River entlang fuhren und nach einer versteckten Parkbucht ausschau hielten. Nach einer Dreiviertelstunde hatten wir einen kleinen Parkplatz gefunden, den Jäger zum abstellen ihrer SUVs nutzen, wenn sie auf die Pirsch gehen. Unmittelbar gegenüber befand sich ein verlassenes und sehr in die Jahre gekommenes Haus, welches zu der sowieso schon gruseligen Wolf Creek Atmosphäre beitrug. Ohne eine Alternative zu haben verkrümelten wir uns ins Auto und zogen die Decke über den Kopf. Am nächsten Morgen beschlossen wir den Platzt so schnell wie möglich zu verlassen, einen Kaffee zu kaufen und am Strand  zu frühstücken. In dem Café in Depoe Bay lernten wir zwei Amerikaner kennen, die in der Gegend wohnen und sich als Besitzer des Ladens herausstellten. Sie gaben uns den Tipp zum Boiler Bay State Park zu fahren, da hier die Chance darauf Wale zu sehen am höchsten sei. Ein weiteres Mal zeigte sich, dass ein Tip von einem einheimischen jeden Reiseführer aussticht. Kaum waren wir im  Boiler Bay State Park angekommen, schossen die Flossen der Meeresriesen links und rechts aus dem Wasser. Nachdem wir uns ausgiebig dem Wale-Watching hingegeben hatten, wurde es Zeit für das Mittagessen. Wir fuhren zum Cape Kiwanda State Park und wollten uns eigentlich am Strand ein paar Sandwiches schmieren, entdeckten jedoch eine kleine Brauerei mit Sonnenterrasse und direktem Blick aufs Meer. Neben dem ausgezeichneten Essen erkundigte ich mich nach einem passenden Bier und als der Kellner erfuhr, dass wir aus Deutschland kamen und somit ja Bierkenner sein mussten, wollte er uns unbedingt das Sortiment der Brauerei darbieten. Unser Restaurantbesuch entwickelte sich schnell zu einem Beer-Tasting und ich musste mir danach knapp zwei Stunden lang den Alkohol am Strand des Cape Kiwanda aus dem Blut laufen, damit ich wieder fahren konnte. Den Nachmittag verbrachten wir zunächst am Agate Beach,  an dem ein halb natürlicher Tunnel zwei Strände miteinander verbindet und fuhren dann zum Cape Meares State Park um dort den Leuchtturm und den Octopus Tree zu besichtigen. Unser Reiseführer pries die Tillamook Käsefabrik als einen Ort an, an dem man nicht nur Käse kaufen, sondern auch kostenlos auf dem Firmenparkplatz übernachten konnte. Wir schauten uns das Gelände an, fühlten uns hier aber nicht wohl und fuhren zum Al Griffin Memorial Park. Entgegen unseren Erwartungen erwies sich dieser Stadtnahe Campingplatz als günstige Alternative und wir freuten uns darüber mal wieder in den Genuss eines Plumsklos, sowie einer Feuerstelle und einer Parkbank zu kommen. Zwar hatten wir einen eigenen Campingtisch dabei und ich war mittlerweile auch recht schnell darin einen eigene Feuerstelle für uns zu bauen, jedoch können wir uns einfach besser entspannen, wenn wir die Gewissheit haben nicht am frühen Morgen von der Polizei geweckt oder noch schlimmer am späten Abend weggeschickt zu werden – weil wir uns nicht an die vorgeschriebene Campingplätze hielten. Genau das passierte uns bereits am zweiten Abend.

Verstecken spielen

Am nächsten Morgen fuhren wir zum Nehalem Bay State Park und dort zum gleichnamigen Strand. Die Vielseitigkeit der USA zeigte sich hier erneut. Der Strand sah aus wie aus einem Katalog von Dancenter. Die Dünen des langen und breiten Sandstrandes waren überdeckt mit Dünengras. In die Sandkulen dazwischen legten wir uns rein und sahen dabei zu, wie die Wellen des rauen Meeres die Schaumkronen der Brandung and den feinen Sandstrand spülten. Nach einer Weile fuhren wir weiter und verbrachten den Abend am Strand des Oswald West State Park. Wir sahen den Surfern zu, wie sie die letzten Wellen nahmen, genossen die letzten Sonnenstrahlen und machten uns wie jeden Abend auf die Suche nach einem Schlafplatz für die Nacht. Der Campground mit dem ungewöhnlichen Namen Foss Road Camp Forrest war zu unserer Enttäuschung bereits voll belegt. Angélique erkundigte sich bei dem Camp Host, ob es einen weiteren in der Nähe gab, was leider nicht der Fall war. Zum Glück hatte die Frau, die den Campingplatz verwaltete ein gutes Herz und ließ uns unmittelbar vor dem Eingang zum Campingplatz übernachten, ohne dass wir dafür etwas bezahlen mussten. Den nächsten Tag verbrachten wir größtenteils am Cannon Beach, der besonders durch den Haystack Rock seine Berühmtheit erlangte. Der riesige Fels ragt unmittelbar am Strand aus dem Wasser heraus und ist so gewaltig, dass gleich mehrere Vogelarten ganzjährig auf ihm leben. Abends versteckten wir uns dann an dem Ausläufer einer Straße direkt an einem Waldstück. Zu unserem Glück befand sich sogar ein Dixi-Klo auf dem kleinen Parkplatz. Gerade als wir uns eingerichtet hatten und im Schlafanzug unter der Decke lagen, sahen wir das Blaulicht vor unserem Fenster. Diesmal etwas gelassener aber immer noch peinlich berührt, erzählten wir dem Beamten, dass wir keinen freien Campingplatz mehr gefunden hatten und da es schon spät war an diesem Platz unser Lager für die Nacht aufschlugen. Er hatte zwar Verständnis, aber ließ sich nicht erweichen und schickte uns weg. Nachdem er unsere Ausweise mit der Zentrale abglich, gab er uns noch einen Tipp wo wir die Nacht verbringen konnten. Kurz vor dem Ortseingang aus nördlicher Richtung befindet sich einen kleine Tafel mit dem Aufdruck „Welcome to Cannon Beach“ und unmittelbar davor ein größere Schotterplatz direkt am Highway. Dieser Platz zählt zwar nicht zu den schönsten Ecken um zu übernachten, jedoch liegt er zwischen den Zuständigkeitsbereichen zweier Polizeidezernate und ist demnach ein waschechter Free-To-Camp-Platz in der Nähe des beliebten Cannon Beach. Nach dieser zweiten Polizei-Begegnung hatten wir endgültig genug von der Wildcamperei. Zwar macht es Spaß mitten in der freien Natur unter dem Sternenhimmel sein Lager aufzuschlagen, in der Stadt oder in stark frequentierten Touristengebieten fühlt man sich dabei eher wie ein Krimineller, der sich auf der Flucht jeden Abend vor der Polizei versteckt. Zum Glück waren wir dieses Problem vorrübergehend los, da wir nach über 30 Absagen endlich einen Housesit in der Nähe von Seattle an Land ziehen konnten.

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