Tarzan und Jane in der Geisterstadt von Bedugul

Nach einer landschaftlich recht atemberaubenden Busfahrt, mit wunderschönen Berg- und Talpanoramen auf grüne Reisfelder blickend, erreichten wir etwas enttäuscht unseren neuen Zielort Bedugul im nördlichen Inland von Bali. Schon beim Passieren des „für die Gegend am erschlossensten Ortes“ fühlte sich die Stadt irgendwie nicht richtig für uns an. Es war kein wirklicher Stadtkern erkennbar, der zum Schlendern einlud oder nette Restaurants und Cafés bereithielt, in die es sich zum Schlemmengehen gelohnt hätte. Es gab den großen heiligen Kratersee Danau Beratan, der vor einer grünen Bergkulisse schön in der Sonne vor sich hin funkelte, mit dem dazugehörigen Tempel Pura Ulun Danu Beratan, welcher die meist besuchte Attraktion der Gegend darstellt und einen nahgelegenen Botanischen Garten, der wohl bei den romantisch veranlagten asiatischen Touristen am ehesten punktet. Der Tempel strahlte, so wie auch schon der Rest des Ortes, keinerlei Anziehungskraft auf uns aus. Und nachdem wir die großen Touristenbusse davor erblickten, entschlossen wir uns erst recht von einem obligatorischen Tempelbesuch abzusehen. Einen langen Spaziergang durch eine Parkanlage machen und dann zum See herüberschlendern? Ach und irgendwo sollte es ja noch einen kleinen Markt geben, wo sie Erdbeeren von den umliegenden Plantagen verkaufen. Sehr spannend, nicht! Sollten das schon alles sein was Bedugul bereit hielt? Kein Wunder, dass es so wenige Traveller in diese Gegend verschlägt. Hier fehlte ganz klar das Flair zum Bleiben. Das wurde uns erst Recht klar, nachdem wir unsere vorgebuchte Unterkunft bezogen.

Die Geisterstadt von Bedugul

Das vermeintlich beste Hotel der Stadt namens CLV Hotel & Villa, welches auf den Bildern bei booking.com wirklich nett aussah und wir zu einem recht guten Angebotspreis ergatterten, verstörte uns sehr. Schon die Fahrt zum Hotel deutete an wie unwohl wir uns fühlen werden. Angekommen an der Bushaltestelle stürzten die Taxi- und Rollerfahrer wiedermal auf uns zu und wollten wissen wo wir hingebracht werden wollten. Wir hatten eine kostenlose Abholung mit dem CLV vereinbart und lehnten deshalb alle Nachfragen dankend ab. Ein besonders hartnäckiger Rollerfahrer der keinen Kunden abbekommen hatte nervte uns so lange bis wir ihm verrieten wie unser Hotel heißt. Daraufhin telefonierte er rasch und sagte uns wir würden bald abgeholt werden und düste davon. Die Wartezeit war uns zu lang und wir riefen das Hotel an. Ein Mann teilte mir mit, wir werden gleich abgeholt und sollten auf einen weißen Pickup warten. Keine zwei Minuten später tauchte der nervige Rollerfahrer in einem grauen Jeep auf und sagt, er würde uns zum Hotel fahren – natürlich UMSONST. Wir versuchten ihm deutlich zu machen, dass wir auf seinen Trick nicht reinfielen und das Hotel uns gesagt hatte welches Auto uns abholt. Der Mann war etwas erstaunt rief aber das Hotel an und siehe da, auf einmal teilte mir eine Frau mit, dass wir ins Auto steigen sollten. Also stiegen wir ein, wobei wir genau darauf achteten in welche Richtung der ominöse Fahrer fuhr. Wir kamen im Hotel an, wobei die Rezeptionistin sichtlich irritiert war uns aber keine Auskunft darüber geben wollte, wer dieser Mann nun eigentlich war.

Das Betreten der Lobby, welche mit Spiegeln, Glasfassaden, Fliesenboden und billigen Designermöbeln einen künstlichen und aufgesetzten Eindruck machte, bereitete uns ein ungemütliches Gefühl. Auch die Vorgehensweise, die Zimmerrechnung bereits bei der Ankunft zu bezahlen, war irgendwie seltsam und neu. Naja, vielleicht waren die Zimmer ja wenigstens wie erwartet. Der nervige Fahrer nötigte uns dazu, uns direkt bis zur Tür des Appartements zu fahren und kurz bevor wir die Tür schlossen, teilte er uns mit, dass er so lange vor unserer Tür warten würde, bis wir nochmal rauskommen und er uns sein Tourenprogramm zeigen kann. Tja, nichts ist umsonst. Leider kann man sich gegen viele Betrügereien nicht richtig wehren, besonders wenn das Hotel, dass man gebucht hat darin verwickelt ist. Eines der Zimmermädchen öffnete die Tür zum Appartement, wo wir uns dann eins von drei möglichen Zimmern aussuchen konnten, während die anderen verschlossen wurden, da sie unbewohnt bleiben sollten. Irgendwie schräg, dachten wir uns. Warum vermietet man ein ganzes Haus um dann zwei Zimmer abzuschließen? Das Hotel bestand aus einem Haupthaus mit Rezeption in der Lobby und einem Restaurant in der oberen Etage, wo es auch das inbegriffene Frühstück am nächsten Morgen gab. Die Zimmer waren auf eine ganze Allee von einzelnen Reihenhäusern die Straße bergauf verteilt. Es sah aus wie in einer schlechten Version eines Vorortes einer Kleinstadt in den USA. Nur mit dem Unterschied, dass sich auf der linken Seite auch ein paar Unterkünfte und Läden Einheimischer befanden. Abgesehen von dem nervigen Fahrer der immer noch vor unserer Tür lauerte, wirkte die Straße wie ausgestorben. Da saßen wir nun in unserem Zimmereines leeren Hauses in einer Geisterstadt, mit einem Psychopathentouranbieter vor unserer Tür. Da konnte auch der halbe Blick auf den See von unserem ungemütlichen Balkon nichts mehr Wett machen. Die Entscheidung war klar, morgen waren wir hier wieder weg. Doch was nun mit dem Tag im schrägen Bedugul anfangen? Es musste doch etwas geben, das es sich lohnen würde zu unternehmen? In dem gespenstischen Haus wollten wir jedenfalls nicht den ganzen Tag bleiben.

Von Baum zu Baum wie Tarzan und Jane

Mir kam die rettende Idee. Es gab doch laut Reiseführer diesen Tree-Top-Adventure-Park im Botanischen Garten, in dem man sich wie im Hochseilgarten in schwindelerregender Höhe über wackelige Seile von Baum zu Baum hangeln kann. Nur mit dem Zusatz, dass hierbei einige der Baumdistanzen mit Seilbahnen, sogenannten Ziplines, überwunden werden mussten. Das hörte sich unserer Meinung nach doch nach einem riesen Spaß an und war vielleicht die ideale Aktivität um uns den Tag doch noch zu retten. Wir hatten sogar noch das Glück, dass wir einen Free Shuttle zum Botanischen Garten vom Hotel aus hatten. Wenigstens damit konnten sie punkten. Der Abenteuerpark mit Baumriesen sah zunächst nicht ganz so spektakulär und abenteuerreich aus. Kannten wir schließlich schon ähnliche Hochseilgärten aus Deutschland, welche nicht kleiner waren. Zudem wollten sie auch noch einen recht stolzen Eintrittspreis von 18 USD pro Person kassieren. Von wegen in Asien ist alles günstiger. Wir waren kurz davor wieder umzukehren und uns noch missmutiger als zuvor auf einen langweiligen Spaziergang durch den Botanischen Garten zu begeben. Doch da sich körperliche Betätigung schließlich positiv aufs Gemüt auswirkt, blieben wir bei unserem Vorhaben und bezahlten mit einem lauten Grummeln den verlangten Preis. Nach dem Anlegen des Klettergurtes und einer kurzen Einführung in die Karabinersicherung, konnten wir auch schon loslegen. Wie stets fingen wir bei den kleinen, leichteren Levels an und arbeiteten uns nach und nach zu den höheren und schwierigeren Stufen vor. Es dauerte nicht lange und wie erhofft packten uns Spannung, Spiel und Spaß. Mit immer besser werdender Laune schreiteten wir auf den Parcours voran und bewältigten einen Höhenmeter nach dem anderen. Wie echte Tarzans und Janes eben. Am aufregendsten waren die Ziplines, die von Level zu Level länger wurden. Es war immer wieder eine kurze Überwindung sich in den eigenen Sattel in die Tiefe zu stürzen. Das wurde dann aber sehr rasch von dem berauschenden Gefühl wie eine Rakete durch die Luft zu schießen, abgelöst. Es war ein Genuss und ging jedes Mal viel zu schnell vorbei. Für die letzte, höchste Stufe hatte ich nicht mehr genug Kraft und auch ein bisschen zu viel Angst. Aber mein Tarzan, mutig wie eh und je, bewältigte auch diese Hürde mit Bravour und machte zum Abschluss seinem Namen noch alle Ehre. Aber seht selbst:

Glücklich, zufrieden, etwas erledigt und berauscht verließen wir die Baumriesen zur Abenddämmerung wieder und waren froh über diese Entscheidung. Am Abend gönnten wir uns jeder bloß eine Tütensuppe und ein paar Snacks vor dem Hotelzimmerfernseher, da wir keine Lust hatten unser Appartement zu verlassen – und wenn er nicht gestorben ist, dann lauert der gruseligen Tourenverkäufer immer noch vor unserer Tür.

 

p.s. Und zum Abschluss habe ich noch ausersehen meine Instant-China-Nudelsuppe ins Bett gekippt. Lecker Duft beim Einschlafen sag ich euch. Und wenn man morgens aufwacht erst. Mhhhh.

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