Eat, Pray, Rain – unterwegs in Munduk

Den zweiten Tag in Munduk verbrachten wir ebenfalls auf dem Rücken des geliehenen Rollers. Diesmal wollten wir die Highlights der Natur in der Umgebung erkunden und die Aussicht auf die Landschaft auf der Fahrt mit dem Roller genießen. Als erstes Ziel des Tages hatten wie den kleineren der beiden Zwillingsseen (Danau Tamblingan) ausgewählt. Dort sollte es am Rande des Sees eine Anlaufstelle lokaler Trekkingguides geben, die einen durch den umliegenden Dschungel am See führen und etwas über Flora und Fauna erzählen. Wir fanden die Touranlaufstelle auch schnell, besprachen mit dem Guide den Weg und liefen los. Das Trekking war eher ein Spaziergang und den vermeintlichen Dschungel glich eher einem Wald. Aber Hauptsache wir waren unterwegs im Grünen. Unser Guide war Anfang 20,  nett und sprach ganz gutes Englisch. Wir hatten bloß das Gefühl, dass er nicht so richtig Bock darauf hatte die nächsten 2-3 Stunden mit uns durch den Wald zu stiefeln und einen auf Erklärbär zu machen. Das führte dann dazu, dass wir oft stumm hinter oder nebeneinander her liefen und wenn wir redeten, meist wir ihn mit Fragen löcherten. Aber gut, etwas Ruhe in der Natur war ja auch mal schön. So konnten wir mehr vom Leben des Waldes wahrnehmen. Den ersten Stopp legten wir bei einem kleinen Bauernhaus ein, das versteckt im Grünen zwischen dem hofeigenen Gemüsegarten und dem Acker der Familie lag. Während wir unser Wasser im Schatten eines überdachten Rastplätzchens genossen, pickten ein paar Hühner um uns herum Unrat vom Boden, wir konnten farbenfrohe Orchideen bestaunen und noch einen Blick auf die hofeigene Bienenzuchtwerfen. Die Bewohner waren natürlich gerade nicht anwesend, sondern gingen ihrer Arbeit auf dem Feld nach.

Auf dem Weg zum Waldtempel kamen wir an einigen Baumriesen vorbei, die uns ganz schön ins Staunen brachten. Den etwas höher gelegenen Tempel erreichten wir über einige Dutzend Stufen. Doch so dolle war es dann dort oben mal wieder nicht. Es standen wie üblich ein paar kleine und große Schreine rum. Die meisten dekoriert mit Blumen und Räucherstäbchen. Was uns aber mehr erstaunte und auf unser Unverständnis stieß, war der Abfall, der überall auf dem „heiligen“ Gelände liegen gelassen wurde. Und auch der ungepflegt wirkende Zustand dieser Gebetsstätte, die zur lokalen Mülldeponie umfunktioniert wurde hinterließ eher einen traurigen Eindruck. Im Buddhismus mag der Mensch zwar im Einklang mit der Natur leben, jedoch scheint die Natur dabei regelmäßig den Kürzeren zu ziehen. Der Tempel am See war dann schon etwas aufgeräumter, sauberer und besser erhalten.  Wir mussten leider außerhalb der Tempelanlage bleiben und konnten nur von weitem einen Blick auf das Geschehen werfen, da an diesem Tag ein besonderer buddhistischer Feiertag war und der zugehörige Stamm dieses Tempels seine Gebete dort nacheinander abhielt. Noch interessanter wurde es, als wir mit einem kleinen Paddelboot aus Holz den See überquerten (natürlich mithilfe eines Boots- und Paddelführers). Denn wir waren nicht allein auf dem heiligen Vulkansee unterwegs. Eine ganze Briegarde festlich gekleideter Buddhisten schipperte auf einem etwas größeren Boot auf dem See umher und gab dabei melodische Gebetsgesänge von sich. Wir mussten uns mit dem Paddeln beeilen, denn wir kamen nur ganz knapp vor der Gebetsgruppe am Anlegesteg an. Wir wurden hurtig gebeten auszusteigen und ans Ufer zu treten, da die Bootsgruppe nun ebenfalls anlegen wollte. Wir konnten noch eine Weile am Ufer stehen bleiben und die Zeremonie beobachten.

Es waren sehr viele Menschen auf diesem Platz. Manche aßen oder unterhielten sich weiter entfernt, andere nahmen gerade an der Zeremonie teil und machten kniend ihre Gebetsgesänge. Wir haben noch nie eine derartige Zeremonie live miterlebt und waren ein paar Minuten lang regelrecht fasziniert und in den Bann gezogen von dem Schauspiel vor uns. Unser Guide forderte uns schließlich irgendwann zum weiter gehen auf. Er wollte sicher endlich auch Mittag machen! Aber auch wir hatten bereits Hunger und folgten ohne Widerspruch. Fünf Minuten später erreichten wir bereits wieder den Ausgangspunkt unserer kleinen Wanderung. Wir bedankten uns, schwangen uns auf unseren Roller und fuhren gen Mittagessen.Ein kurzes Stück weiter, genau auf Höhe der zwei Zwillingsseen, erspähte ich ein ansprechendes Warung am Straßenrand, welches auch europäische Speisen anbot. Während wir auf das Essen warteten, genossen wir den grandiosen Blick von unserer Anhöhe hinunter auf die beiden strahlend blauen Kraterseen und die dahinter liegenden Bergkämme der umliegenden Vulkane. Jetzt verstanden wir auch den Ausdruck Zwillingsseen und das was die Region von Bedugul, nicht die Stadt selbst, so Reizvolles zu bieten hat. Das Essen schloss sich diesem Hochgefühl gleich an und wir bekamen Spaghetti mit hausgemachter Tomatensoße und richtigem Käse  serviert. Als Nachtisch gab es dann auch noch den weltbesten Crêpe mit hausgemachterErdbeermarmelade. Hmmm. Einfach nur köstlich.

Spektakuläre Wasserfälle in Munduk

Glücklich verließen wir das liebgewonnene Warung wieder und machten uns  Richtung Wasserfall auf. Dieser befand sich auf der Strecke zurück Richtung Munduk. Wir parkten an einem kleinen Platz am Eingangsweg zum Wasserfall und liefen erwartungsvoll drauf los. Schließlich hieß es schon vorne am Schalter beim Bezahlen, dass sich der Wasserfall gut zum Baden eigne, und wir freuten uns schon sehr auf ein erfrischendes Bad nach dem langen Tag. Doch bevor wir das lästige Eintrittsgeld für naturgeschaffene Phänomene bezahlten, wollten wir den anderen Wasserfall eine Ebene tiefer begutachten. Wir wussten zwar nichts von einem zweiten Wasserfall, aber der Mann am Schalter erzählte es uns so. Also marschierten wir los. Vorbei an kleinen Kaffeeständen, Restaurants für Spaziergänger und ein paar einfachen Wohnquartieren der Dorfbewohner. Wir liefen und liefen -und liefen. Wann kam denn bloß dieser verfluchte Wasserfall. Irgendwann tauchte ein Schild auf, welches den Weg zum Wasserfall zwar in die richtige Richtung auswies, jedoch noch 12 Kilometer entfernt sein sollte. Das war wohl ein Scherz? Der Himmel fing bereits an sich zuzuziehen und erste Tröpfchen kamen vom Himmel. Noch 12 Kilometer? Das machte keinen Sinn. Also drehten wir frustriert und schimpfend um. Bevor das Wetter schlimmer wurde wollten wir wenigstens noch den ersten Wasserfall sehen. Doch noch bevor wir ihn erreichten, fing es an zu regnen und wir suchten erst einmal Unterschlupf an einem verlassenen Verkaufsstand. Es dauerte zum Glück nicht lange.  Durch die unfreiwillige Pause entdeckte Jan sogar einen Zugang unterhalb des offiziellen Pfades zum Wasserfall, wodurch wir uns an dem Verkaufshäuschen vorbei schleichen und umsonst den Wasserfall besuchen konnten. Das war auch gut so, denn der Wasserfall stellte sich mal wieder als nicht ganz so besonders heraus, wie von allen Seiten beschrieben. Auch Baden konnte man dort nicht. Wenn überhaupt dann konnte man sich unter die herunterfallenden Wassermassen stellen. Das war aber zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht nötig, da der Wind so peitschte, dass das Wasser einem nur so entgegen spritzte. Enttäuscht verließen wir den Wasserfall wieder und hofften wir schaffen es noch im Trockenen zurück zu unserer Unterkunft, denn es zogen schon wieder neue dunkle Wolken am Himmel auf.

Überraschung, Überraschung!

Wir waren fast angekommen, da fiel uns plötzlich ein, dass wir ja noch zu einem ATM müssen um morgen die Unterkunft zu bezahlen. Der nächste Geldautomat war eine paar Kilometer weiter im nächsten Ort. Noch hielt sich das Wetter. Also schnell los. Zehn Minuten später erreichten wir den recht belebten Ort und fanden auch gleich mehrere ATMs vor. Geld abgehoben. Soweit so gut. Jetzt nur noch mal schnell in den Supermarkt gegenüber flitzen. Doch das Glück war nicht auf unserer Seite. Gerade als wir fertig mit bezahlen waren und unsere Helme aufsetzen wollten, brach der Himmel auf. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es kam Eimer-, Nein, Tonnenweise Wasser vom Himmel geregnet. Und das so plötzlich, stark und viel, dass innerhalb weniger Sekunden reißende Wasserbäche auf den Straßen entstanden. Aquaplaning mal Zehn! Da hielten sogar die Balinesen mit ihren Rollern an und suchten Unterschlupf. Da kamen wir natürlich erst recht nicht auf die verrückte Idee uns in Lebensgefahr zu begeben und zurück zu fahren. Blieb nur zu hoffen, dass der Regen nicht allzu lange anhielt und wir am Ende noch im Dunkeln auf nasser Fahrbahn zurück fahren mussten. Doch erst einmal war Abwarten und Tee trinken angesagt. In unserem Fall kein Tee, sondern Eis. Denn wie es der Zufall so will, gab es in unserem Unterschlupf-Supermarkt doch tatsächlich einen riesigen Becher Cookie-Eis. In Nullkommanichts war der Becher ratzeputze leer gefuttert und wir leckten uns die Pfoten vor Wonne. Wann waren wir jemals so glücklich im Regen gewesen? Es war aber auch so irreal. Die Leute selbst hatten ebenso plötzlich wie es anfing zu schütten, bessere Laune und ein strahlendes Lachen im Gesicht. Die freuten sich richtig. Sowas kennen wir Deutschen mit unserer Miesepeter Laune bei schlechtem Wetter nicht. Aber auf Bali war das genau anders. Unser Gastgeber erklärte uns später, dass es heute das erste Mal seit acht Monaten geregnet habe und die Menschen überall schon sehnlichst darauf gewartet haben. Nun ergab das Ganze auch für uns einen Sinn. Immer wen es in Strömen regnet, werden wir ab jetzt daran denken, wie wir während des lang erbetenen Regens auf den Stufen des Supermarkts in Munduk saßen und Cookie-Eis in uns reinschaufelten.

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